Sie befinden sich hier

 
Heft 200, April 2003  

 


Odette Vollenweider: Faszinierende Facetten
eines geistreichen Themas
Editorial 200
Michael Roxlau: Studienkomponisten (3): Gerd Rinder
Stephan Eisert: Ab nach Kassel
Chris Feather: Hilfsmatts im Vexierspiegel (IX)
Peter Orlik: Ein lehrreicher Fall von "unökonomischer Letztform"
Aktuelle Meldungen
Entscheid im Informalturnier 2001, Abteilung Mehrzüger
Hans Selb: Ergänzungen zu Ästhetik und Ornamentik
im Schachproblem
Urdrucke
Lösungen aus Heft 197, Oktober 2002
Bemerkungen und Berichtigungen
Turnierberichte


53
54
64
66
66
69
72
76

80
82
91
102
103

Ein lehrreicher Fall von "unökonomischer Letztform"
von Peter Orlik, Saarbrücken


Das Problemschach versteht sich als eine Kunstform eigener Art. Damit sage ich dem Schwalbe-Leser natürlich nichts Neues. Es geht hier, um mit Hilmar Ebert zu sprechen, um die Ästhetik des Denkens. Und tatsächlich spielen ästhetische Kriterien bei der Beurteilung einer Schachaufgabe immer eine wichtige Rolle. Wie in der Malerei, in der Musik usw. legt man auch im Kunstschach auf die Ökonomie der Mittel besonderen Wert. Hier wie dort verlangt der Kenner, dass das Kunstwerk nicht überladen wirkt, sondern gewissermaßen "auf den ersten Blick", z.B. durch seine Eleganz, anziehend wirkt.

Für den Problemkomponisten ist die Erfüllung der Forderung nach Figurenökonomie, gerade im mehrzügigen Hilfsmatt, der zahlreichen Nebenlösungen wegen, nicht selten eine heikle und schwierige Aufgabe. Im folgenden soll anhand einer Fallstudie über den schwarzen e.p.-Schlag im Hilfsmatt-Doppelinder gezeigt werden, dass die idealtypische Anwendung der Ökonomieforderung dann zweischneidig wird, wenn sie die Existenzberechtigung des betreffenden Schachproblems in Frage stellt.

Statt einen abstrakten problemtheoretischen Vortrag zu halten, werde ich eine, wie ich glaube: lehrreiche, Leidensgeschichte aus meinem Problemistenleben erzählen. Sie nimmt ihren Ausgang von einer Problemidee, die mir in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zuflog und mich seither immer wieder beschäftigte. Zunächst eine kurze persönliche Vorbemerkung: Seinerzeit war ich Vereinsmitglied der "Stuttgarter Schachfreunde" und hatte zudem meine ersten Sporen als Problenikomponist verdient, nachdem ich mehrere Urdrucke in der von Meister Theo Schuster geleiteten Schachecke der Stuttgarter Zeitung untergebracht hatte.

Doch nun zur Sache: Im Jahre 1953, ich war ziemlich genau 19 Jahre alt, zeigte mir mein Mannschaftskamerad Hans Oette ein von ihm entdecktes Stellungsschema, in welchem der En-passant-Schlag so mit einem Abzugsschach kombiniert ist, dass in zwei aufeinanderfolgenden Zügen drei Steine von der vierten Reihe verschwinden. Er hatte vergeblich versucht, eine Mattaufgabe daraus zu konstruieren und regte an, dass ich mich der Sache annehmen möge. Ich wollte zwar, kam aber erst einmal nicht dazu. Denn Abitur, Studium und Beruf drängten das Schach für lange Zeit so sehr in den Hintergrund, dass es fast 25 Jahre dauerte, bis ich mich an den Wunsch meines Schachfreundes wieder erinnerte und den "Oette-Mechanismus" in dem (indischen) Mattproblem A in einfacher Form zur Darstellung brachte.

A Peter Orlik
Festschrift 100 Jahre
Stuttgarter Schachfreunde 1979
B Peter Orlik
Schach-Echo 1977
C Themat. Schema zu D
ca. 1976/77
#4 (9+5) h#3 (4+7) h#4 (4+6)
1.Th4! f4 2.Sg4 K:d4 3.e4 f:e4 e.p. 4.Sf6# 1.Dg5+ Sg4 2.Dc5+ d4 3.e:d3 e.p. Se3# 1.Lc5 Th4 2.Kd4 Sg4 3.Kc4+ d4 4.e:d3 e.p. Se3#

Mit der "kleinen" Lösung von A gab ich mich aber nicht zufrieden. Denn mir war bei der Arbeit daran bewusst geworden, dass das Hilfsmatt dem e.p.-Mechanismus reichere Möglichkeiten der Darstellung bieten würde als das direkte Matt. Gesagt, getan: Es folgte der Hilfsmatt-Dreier B, der das zu bestätigen schien. Die Aufgabe zeigt übrigens u.a., dass im Hilfsmatt (im Gegensatz zum direkten Matt) eine Schachprovokation notwendig ist, um den Bauern-Doppelschritt zu erzwingen, den man für den e.p.-Schlag braucht.

Der Beginn meiner Leidenszeit, von der hier zu berichten ist, datiert auf den Moment, als ich darangehen wollte, die Aufgabe B durch Voranstellen der indischen Einleitung von A (wTf4-h4) zu erweitem. Es gelang mir nämlich trotz zahlreicher Bemühungen nicht, der jetzt plötzlich auftretenden unzähligen Nebenlösungen auf ökonomische Weise Herr zu werden; entweder reichten die 16 schwarzen Steine nicht aus oder ich war gezwungen, Umwandlungsfiguren (vor allem sDD) zu verwenden, wogegen ich mich zunächst sträubte. Berufsbedingter Zeitmangel verhinderte jedoch eine rasche und erfolgreiche Korrektur. So nahm ich mir vor, das Stück im nächsten Urlaub fertigzustellen. In meinem Optimismus ging ich in meinem Ziel sogar gleich noch weiter: Ich nahm mir vor, nicht nur das Abzugsmatt des "Oette-Mechanismus" durch den weissen TS-Inder vorzubereiten, sondern auch das Diagonalschach, das den Doppelschritt des wBd2 erzwingt, in ein indisches Manöver des Schwarzen einzubauen. Das Schema dieser Idee war schnell aufgestellt, siehe C!

Als ich mich mit dieser Problemidee einließ, ohne zu ahnen, wieviel Mühsal das nach sich ziehen würde, schrieb man die Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ich erwähne dies nur, um bewusst zu machen, dass damals das Problemschach sich noch lange nicht in der "computergestützten" ALYBADIX- und Pentium-Ära befand, die dem Problemkomponisten der Gegenwart längst selbstverständlich geworden ist!

Und in der Tat: Ohne Computerhilfe blieben alle meine damaligen Bemühungen vergebens. Nicht nur im Strandurlaub (mit dem Steckschach) sondern auch in der abendlichen Freizeit der darauffolgenden Monate wurde ich der immensen Zahl von Nebenlösungen nicht Herr. Zu den Leidtragenden gehörte außer mir der (leider inzwischen verstorbene) Nestor des elsässischen Problernschachs, Jean Zeller, der im Jahre 1977 zwei unkorrekte Fassungen meines "e.p.-Doppelinders" in der von ihm geleiteten Hilfsmatt-Rubrik der französischen Problemzeitschrift diagrammes abdruckte, bis er und ich resignierten, weil alle Korrekturversuche (mit oder ohne Umwandlungsfiguren) scheiterten. Natürlich kränkte mich dies in meiner Problemistenehre, so dass ich in den späteren Jahren immer wieder einmal das Schema C auf das Brett stellte, um mit einer Art "Mut der Verzweiflung" erneut ganz von vorne zu beginnen. Es geschah dann manchmal, dass ich glaubte, eine korrekte Fassung gefunden zu haben. Jedoch die harte, aber gerechte "Kochkunst" von Schachfreund Hilmar Ebert, dem ich für seine Geduld sehr zu danken habe, raubte mir schließlich die allerletzten Illusionen...

Ich war also von der Nicht-Darstellbarkeit der Idee überzeugt, - bis ich, etwa zwei Jahrzehnte später, in den Besitz eines PCs mit Pentium-Prozessor gelangte, der der ALYBADIX-Software von Ilkka Blom die ideale Arbeitsgrundlage gab. 0 Wunder! Nach Dutzenden von Computer-"Nachtschichten", denen von meiner Seite, Schritt für Schritt, kleine, aber systematische Stellungsverbesserungen vorausgingen, lieferte das Prüfprogramm HELPBADIX im April 1999 die nicht mehr für möglich gehaltene korrekte Darstellung meines Themas, allerdings nur mit Verwendung von acht(!) schwarzen Damen, die hunderte von Nebenlösungen zu verhindern haben.

Nach einem Vierteljahrhundert an Mühsal erblickt also mein "Sorgenkind" in Diagramm D heute endlich das Licht der Welt, in der Schwalbe - wo sonst? - und ich widme es dem Andenken von Jean Zeller.

D Peter Orlik
Urdruck
In Memoriam Jean Zeller
E Schema (Version zu F)
(1935)
F Hans-Heinrich Schmitz
Die Schwalbe 1935
1. Preis
h#4 (4+14) h#3 (3+7) h#3 (3+7)
1.Dec5 Th4 2.Kd4 Sg4 3.Kc4+ d4 4.e:d3 e.p. Se3# 1.Lc5 Th4 2.Td4 Sg4 3.Td3+ Se3# 1.Lb3 Tc8 2.Tc4 Sc7 3.Td4+ Sd5#


Damit ist meine Geschichte noch nicht zu Ende. Bald nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1999 bot ich meine Aufgabe der Schwalbe, schon einmal, sozusagen "im Normalverfahren", als Urdruck an. Ich musste damit rechnen, dass der Hilfmatt-Sachbearbeiter sich angesichts der schrecklichen(?) acht schwarzen Damen mit dem Stück schwer tun würde. Deshalb fiel ich zwar nicht aus allen Wolken, als Achim Schöneberg mein Angebot ablehnte, aber natürlich war ich enttäuscht. Denn ich hatte gehofft, dass er meine Sicht teilen könne, nämlich dass die im herkömmlichen Sinne ökonomische Darstellung meiner Problemidee prinzipiell unmöglich ist. Aber die Begründung seiner Ablehnung ist, wie ich gerne zugeben will, mindestens auf den ersten Blick entwaffnend. Er legte nämlich seinem Antwortbrief die mir bis dato unbekannte, wunderschöne Schwalbe-Aufgabe (F) von H. H. Schmitz aus dem Jahre 1935 bei und fügte hinzu: "Freilich bietet Schmitz keinen e.p.-Schlag; ich glaube aber, dassdie Bereicherung (e.p.-Schlag) in Ihrem h#4 mit acht Damen zu teuer erkauft ist."

Der vorliegende Aufsatz, auch wenn er durch mancherlei private Widrigkeiten verzögert wurde, ist das Ergebnis meines seinerzeit sofort gefassten Entschlusses, der verführerischen Interpretation zu widersprechen, meine Aufgabe sei eine nachträgliche Anreicherung des Schmitz'schen Doppelinders. Ich räume ein: Der unmittelbare Augenschein scheint dies zu belegen; man betrachte nur einmal Schema E, in dem man unschwer das Problem Schmitz (F) erkennt, und vergleiche es mit Schema C, aus welchem meine Endfassung D hervorgegangen ist. Die Ähnlichkeit der beiden Schemata ist, auf den ersten Blick, frappierend. Und wenn man sich an den Augenschein hält, mag der e.p.-Schlag in C wie eine in E hineingeflickte Zutat erscheinen, die, wie D zu allem Überfluss beweist, nur mit einem Materialaufwand korrekt dargestellt werden kann, der, nach herkömmlichem Maßstab, "nicht mehr schön ist".

Nun, die Entstehungsgeschichte des Stückes war, wie ich berichtet habe, eine völlig andere. Natürlich ist damit wenig oder garnichts über die Existenzberechtigung meines "Doppelinders mit e.p.-Schlag" gesagt. In dieser Hinsicht ausschlaggebend ist vielmehr, wie ich meine, die angemessene Würdigung des thematischen Zusammenspiels zwischen e.p.-Schlag und den beiden indischen Manövern. Letztere waren bei Schmitz Selbstzweck, bei mir dienen sie zur Begründung des e.p.-Mechanismus, man prüfe: Der schwarze Inder (1.Dc5!, 2.Kd4) entfesselt nicht nur den weißen Sperrstein Sf2, sondern erzwingt mit seinem Abzugsschach (3.Kc4+) zusätzlich auch den Doppelschritt des weißen Bauern (sonst gäbe es den Dual 3.- d3); der weiße Inder (1.- Th4!, 2.- Sg4) entfesselt den gemischtfarbigen horizontalen Doppelbauer, damit der e.p.-Schlag möglich und die vierte Reihe für das Abzugsmatt freigeräumt wird. Die logische Analyse ergibt also, dass der e.p.-Schlag, entgegen dem Augenschein, nicht eine Beigabe, sondern das thematische Zentrum meiner Aufgabe ist.

Dafür, dass ich meine Erstdarstellung dieses komplizierten Themas, vielleicht ein wenig unbescheiden, auch noch als "unökonomische Letztform" verteidige, habe ich eine ganz einfache Rechtfertigung: Die geballte Abwehrmacht der acht schwarzen Furien ist, zugegeben, ein hoher Preis. Aber ich hatte ihn zu zahlen, um die Korrektheit, d.h. die Existenz meiner Aufgabe sicherzustellen. Caissa, die Schachgöttin, versagte mir das Glück, das sie offensichtlich H. H. Schmitz gewährte, nämlich, dass das thematische Schema in dem Augenblick, da es aufs Brett gestellt wird, mit der korrekten und idealökonomischen Realisierung der Problemidee schon identisch ist!

Damit genug. Ich hoffe, es ist an meinem Beispiel deutlich geworden, warum "unökonomische Letztformen" im Hilfsmatt-Mehrzüger - in Ausnahmefällen - unvermeidlich sind und füglich deswegen als legitim angesehen werden müssten. Freilich liegt es auf der Hand, dass, weil Entscheidungen dieser Art notwendigerweise mit Ermessungsfragen einhergehen, der "Angeklagte", ich meine: der Problemautor, gegenüber dem Problemredakteur meist in Beweisnot kommen wird. Sei's drum. Ich für mein Teil verspreche wohlgemut jeder/jedem, die/der mein Aufgabenschema C in eine korrekte und partiemögliche Fassung ohne Umwandlungsfiguren zu bringen vermag, eine Flasche guten schottischen Single-Malt-Whiskys! Wer setzt dagegen?
x
Entscheid im Informalturnier 2001 der Schwalbe
Abteilung: Mehrzüger
Preisrichter: Baldur Kozdon, Flensburg
(als Auszug im Internet)

Das Turnier war diesmal erneut von hochkarätigem Niveau, was die Qualität der 2001 erstmals veröffentlichten Mehrzügeraufgaben - 26 an der Zahl - betrifft! Zunächst möchte ich allen Verfassern ein Kompliment aussprechen, auch denjenigen, welche (knapp) leer ausgehen! In anderen Turnieren wäre vermutlich ein noch höherer Anteil der Beiträge mit Preisen, Ehrenden Erwähnungen und Loben bedacht worden als in diesem Schwalbe-Informalturnier. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass mehr als die Hälfte der Originalaufgaben eine Auszeichnung verdient hat. Die stattliche Zahl der Preisprobleme spricht für sich.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir mit dem Bericht keinen Ärger, zumindest Unverständnis, einhandele. Unverständnis deswegen, weil der mit Abstand ambitionierteste Beitrag, die Nr. 11004 von Marcel Tribowski, nicht unter den Preisstücken rangiert. Ich habe mich, nach reiflicher Überlegung, entschlossen, dieses Stück weder mit einem Sonderpreis noch einer Ehrenden Erwähnung zu bedenken. Ich möchte den Autor ermuntern, an dem Stück noch zu feilen und es eines schönen Tages in neuem Gewand zu präsentieren. Vielleicht ist dies eine unmögliche Zumutung. Gleichwohl, kommt Zeit, kommt Rat! Eine Überarbeitung des ungemein anspruchsvollen Vorwurfs - weißer Hamburger mit Schaltung durch eine weiße Lenkung (in zwei Abspielen) - ist und bleibt eine verlockende Herausforderung.
An dieser Nr. 11004 stören mich keinesfalls die 28 Steine, die das Brett bevölkern. Was nach meinem Dafürhalten nicht akzeptiert werden kann, ist (auf 1.Lb5!) die Parade 1.- Tb6, die zu erledigen a) den ansonsten entbehrlichen Ta1 erforderlich macht und b) keine dualfreie Fortsetzung erlaubt (2.a:b6 S:b6 3.Ta:a7 oder 3.Te8+). Ich halte 1.- Tb6! sogar für die intelligenteste schwarze Verteidigung, da sie den sT auf der 6. Reihe und den sBc6 an seinem Platz belässt. Ich bitte somit um Pardon - leicht habe ich es mir nicht gemacht!
11004 Marcel Tribowski
Stephan Eisert gewidmet
#4



(15+13)
1. Preis: Nr. 11260 von Dieter Kutzborski und Stephan Eisert
Der Ausgangsstellung sieht man es wahrlich nicht an, dass der im Brettzentrum postierte wT auf e5 ungünstig steht: Mit 1.Te2? [dr. 2.Sg3] Ta6 (2.Sg3 Ta2) richtet er nichts aus. Wäre der Schlüssel 1.Td2, so hätte Weiß neben 2.Sg3 einen weiteren Pfeil im Köcher. Wie bekommt man den T auf die d-Linie, ohne dass Schwarz Zeit bleibt, unangenehm in die Parade zu fahren? Die Realisierung dieses Planes verrät die Meisterhand: 1.Te1+! Kh2 2.Te2+ Kh3 3.Te8! Kh2 4.Th8+ Kg1 5.Tg8+ Kf1 6.Td8! Kg1 7.Td2 (beinahe geschafft!) Ta6 8.Sf2! Ta1! (8.- Ta2? 9.Sh3+ Kf1 10.Td1#) 9.Sg4 Kf1 10.Se3+ Kg1 11.Tg2+ Kh1 12.Sf5 nebst 13.Sg3#. Das weiträumige Rangieren - die Exkursion des wT bis d8 - der optimale Einsatz des Materials: all das hat mich sehr für dieses Gemeinschaftswerk eingenommen!

1. Preis: 11260
Dieter Kutzborski
Stephan Eisert
2. Preis: 11134
Herbert Schoba
3. Preis: 11130
Waleri Schawyrin
#13
(4+8) #13
(13+12) #4
(12+10)


2. Preis: Nr. 11134 von Herbert Schoba
Darstellungen mit Wechschürmen und doppelter Rückkehr beider TT sind keineswegs neu. In diesem
opulenten Beitrag aber begeistert das hintergründige, beinahe geheimnisvolle Operieren des weißen
Läuferpaares. Dieses agiert bis fast zuletzt auf der oberen Bretthälfte, um dann doch am Schluss bei der Hinrichtung der schwarzen Majestät mit von der Partie zu sein. Der Zug 3.Le8 z.B. bedarf einer weiten Vorausschau. 1.Tef6! Td2 2.Te7 Td1 3.Le8 [dr. 4.Se3+ Ke1/Ke2 3.Sf1+ K:f1 6.L:c6 nebst 7.Lg2#] Ta6 4.Tf7! Td2 5.Te6 Td1 6.Lf8! [dr. 7.L:c5] S:a4 7.Tef6! Td2 8.Te7 Td1 9.Lg6! (Rückkehr) Sb2 10.Tf7 Td2 11.Te6 Td1 (11.- Te2 12.T:f2+) 12.L:c5 Td2 13.Te1#; bzw. 9.- L:c4 10.Se3+ Ke1/Ke2 11.S:c4+ Kf1 12.Le4 nebst 13.Lg2#. Die Bauemsäule auf der c-Linie gereicht dem Stück zwar nicht zur Zierde, ansonsten aber stimmt bei dieser tiefgründigen Komposition alles!

3. Preis: Nr. 11130 von Waleri Schawyrin
Ein überaus ehrgeiziger Vorwurf, der nach gutem, vollzügigen Drohspiel Keller-Paradox und Dombrovskis-Thema in einer vierzügigen Darstellung kombiniert. 1.Lh5! droht 2.Sf3+ K:e4 3.T:e5+ A 4.T:c4# B. 1.- Sg6a (verhindert 3.T:e5+ = A) 2.T:e5! A (trotzdem, aber sofort!) K:e5 (2.- S:e5? 3.Sde6#) 3.Te6+ Kd4/Kf4 4.Sf3/S:h3#. 1.-La6 b (verhindert 4.T:c4 = B) 2.T:c4+! B (wieder muss es sofort geschehen!) K:c4 (2.- L:c4? 3.Sc6#) 3.Tc6+ Kd4 4.Lc3#. Ich kann mir lebhaft vorstellen, welch hartes Stück Arbeit in dieser relativ sparsamen Darstellung steckt. Ein wahrer Drahtseilakt, bei dem auch das klug eingesetzte weiße Turmpaar und die Rolle des wSd8 imponieren. Ich war sehr nahe daran, diese Aufgabe ganz an die Spitze zu setzen, bis ich dann mit dem zweizweckigen Schlüssel (der Läufer räumt das Feld f3 nicht nur für das Drohspiel) ein kleines Haar in der Suppe fand.


Impressum: Schwalbe, deutsche Vereinigung für Problemschach; Sitz: München.
Anschriften: siehe Vorstand
Internetauftritt: Gerd Wilts